Zusammen mit den Mitstiften drei Tage ausserhalb der gewohnten Arbeitsumgebung verbringen? Normalerweise unrealistisch, doch wir Röthlisberger-Lernenden durften Ende des ersten Lehrjahres genau das tun.
Begonnen hat es am Mittwoch Morgen. Mit unserem Gepäck machten wir uns auf die Reise nach Affoltern i. E., von Tagesrucksack bis Reisekoffer für 2 Wochen Urlaub war alles dabei.
Auf dem Bauernhof angekommen bekamen wir erstmal einen Rundgang, bis wir schliesslich zuoberst im Hühnerhaus unser Bett vorfanden: eine komplette Etage aus Stroh. Die Skepsis stand einigen ins Gesicht geschrieben, doch nach kurzem Probeliegen konnten sich alle damit anfreunden zwei Nächte hier zu verbringen.
Es folgt das Znüni – zwei überfüllte Körbe mit Brötchen und Gipfeli. Dabei waren wir alle froh, stand die Werteschulung von Stefan Röthlisberger an, denn es regnete in Strömen. Mithilfe einer Broschüre vertieften wir miteinander das Leitbild und die Werte der Bude.
Beim anschliessenden Mittagessen meinte die Bauernfrau es sehr gut mit uns, es gab so viele Spaghetti, dass wir uns noch die ganze Woche davon hätten ernähren können. Auch während den restlichen Mahlzeiten wurden wir mit viel Essen verwöhnt und sogar die Proteine im Salat wurden uns nicht erspart. 🙂
Am Nachmittag stand das Kreativ-training, welches sich ebenfalls in Affoltern befindet, auf dem Programm. Weil auch die Glace zum Dessert nicht fehlen durfte, mussten wir aus Zeitspargründen das Auto nehmen. Angekommen wurden wir freundlich begrüsst und sogleich in die erste von vier Aufgaben eingeführt.
Jede Aufgabe des X-Trails stand dabei für einen der vier Röthlisbergerwerte.
Wertschätzung – nach einer Quietschentenjagd auf den langen Skiern mussten wir gemeinsam einen Parcour auf Drahtseilen meistern. Dabei balancierten wir zusammen mit einem Gymnastikball und mehreren Kübel Wasser über die verschiedenen Hindernisse.
Unternehmerisches Denken – während eine Person in 3 Metern Höhe möglichst schnell über die Bretter lief, versuchte der Rest der Gruppe mithilfe von Seilen die Bretter zu stabilisieren. Nach mehreren hitzigen Diskussionen mit Verbesserungsvorschlägen konnten wir die Zielzeit von 30 Sekunden erreichen.
Vertrauen – während jemand mit verbundenen Augen auf schwindelerregender Höhe über Holzpfähle balancierte, wurde sie von einer sich am Boden befindenden Person angeleitet.
Ehrlichkeit – in 22 Metern Höhe befand sich eine kleine Plattform, von der man an ein Trapez springen konnte. Dabei wurde jedem freigestellt, wie weit er die Leiter hochklettern wollte und ob er den Sprung wirklich wagen wollte.
Den Abend liessen wir mit gebratenen Spiessen ausklingen. Wer wollte, konnte anschliessend noch auf den Fussballplatz oder in den Pool.
Kaum eingeschlafen klingelte der Wecker – es ist 3 Uhr, was für uns so viel bedeutet wie tagwach. Ziemlich verschlafen und mit sich in Grenzen haltender Motivation fuhren wir mit den Autos nach Mettlen. Mit schnellen Schritten und nur wenigen Zwischenfällen (wie beispielsweise Kühen, die den Weg versperrten) waren wir pünktlich um halb 5 zum Sonnenaufgang auf dem Napf. Wie gefährlich die Kühe wirklich waren, ist bis heute ungeklärt und Sache des Betrachters.
Nach dem Gipfel-Frühstück machten wir uns wieder an den Abstieg und fast alle legten sich nach der Rückkehr noch einmal schlafen.
Am Nachmittag liessen wir unser erstes Schreinerjahr noch einmal Revue passieren und machten uns Gedanken, was uns als zukünftige Oberstifte erwarten wird und wie wir die 10 Neuen unterstützen möchten. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Baden, Fussball und Kartenspielen und einfach gemütlichem und lustigem Beisammensein.
Nach einer weiteren eher kurzen Nacht packten wir unsere Sachen zusammen und reisten weiter nach Nottwil. Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum trafen wir unsere Mitlernenden des 2. Lehrjahrs. Begonnen mit interaktivem «Mario Kart» auf Rollstühlen und einer kleinen Ausstellung in der Eingangshalle, folgte eine Präsentation von einem Paraplegiker. Danach bekamen wir eine Führung durch einen Teil der Gebäude und anschliessend konnten wir noch eine Art Museum besuchen, wobei wir einen Einblick in die Leben verschiedener Para- und Tetraplegiker bekamen. Wir beendeten diesen eindrücklichen Ausflug mit einem Mittagessen zwischen Rollstühlen und Pflegepersonal und machten uns müde, aber glücklich auf den Weg nach Hause.